Dresdner Stadtpfeifer

Alte Musik für neue Ohren

Die Instrumente der Stadtpfeifer

 

Stadtpfeifer mussten etliche Instrumente beherrschen – Zink, Posaune und Violine, oft auch Krummhörner, Dulzian, Flöten, Horn und andere Instrumente. 1607 schrieb der Stralsunder Kunstpfeifer Jonas Depensee über seinen Sohn: "erstlich ist er ein guter trompeter, zum anderen ein guter zinckenbläser, zum dritten geiget er einen guten discant, pfeiffet eine gute querpfeiffe, auff dulcian, auf der quart posaune tenor und alt posaune, in summa auff allerley instrumenten gar perfect". Trompeten und Pauken waren den Stadtpfeifern bis etwa 1700 in vielen Städten nur für die Kirchenmusik an hohen Feiertagen erlaubt, für profane Anlässe aber verboten, denn sie waren den Fürsten und der Militärmusik vorbehalten.Diese Regeln verloren aber mit der Zeit an Bedeutung. Als erste Stadt bekam Augsburg schon 1426 das Privileg, Trompeter zu beschäftigen. Daniel Speer schrieb 1697 nur noch: "Dieses Instruments der Trompeten/ findet man wenig privat-Personen/ so es erlernen/ Ursach/ es erfordert sehr grosse Leibs Kräfften/ so einem Incipienten höchst beschwerlich fallen."

Die Posaune wurde erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts erfunden und verbreitete sich sehr schnell. Erstmals stand den Musikern ein Blasinstrument mit dem kompletten chromatischen Tonvorrat zur Verfügung. Faszinierend für Komponisten und Spieler war auch die klangliche Vielseitigkeit des neuen Instruments, das sowohl in der alta capella, der lauten Bläserbesetzung, als auch in Kombination mit Gamben, Flöten und Singstimmen eingesetzt werden konnte. Die Bauart der Renaissance-Posaunenmundstücke ermöglicht ein differenzierteres Ausdrucksspektrum als bei modernen Posaunen. Die wahrscheinlich früheste eindeutige bildliche Darstellung einer Posaune findet man auf dem 1488-1493 entstandenen Fresco "Himmelfahrt der Jungfrau Maria" von Fillippino Lippi in der Kirche Santa Maria sopra Minerva in Rom:

 

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Das Repertoire der heutigen "Dresdner Stadtpfeifer" beginnt bei Musik vom Ende des 15. Jahrhunderts, nach der Erfindung der Posaune.

Sackpfeifen, Leiern und die meisten Rhythmusinstrumente galten als Bettelinstrumente und waren im städtischen Musikleben verpönt. Sie wurden noch in den Sächsischen Musikantenartikeln von 1653 als "unehrliche Instrumente" bezeichnet. Den einfachen Stadtbewohnern war im 16. Jahrhundert nur das Spiel auf Geigen, nicht aber auf Zinken und Posaunen erlaubt. So sollte auch Fehlalarm durch Verwechslung mit den Signalen der Türmer vermieden werden.

Bei den Auftritten der Stadtpfeifer gab es ebenfalls Unterschiede im Instrumentarium, abhängig vom Status der Kunden: In Freiberg durften für Ratsmitglieder, Beamte, Zunftälteste und andere genau bezeichnete angesehene Berufsgruppen sämtliche Instrumente eingesetzt werden, während für einfache Handwerker nur auf Geigen und Tasteninstrumenten musiziert wurde und der Einsatz der Stadtpfeifer bei Festen des Gesindes ganz verboten war. "Bey Gaucklern, Diebhenckern, Bütlern, Heschern" aufzuspielen, war den städtischen Musikern nach den sächsischen Statuten ebenso verboten.

Die Instrumente für die offiziellen städtischen Musizieraufgaben wurden den Stadtpfeifern von der Stadt gestellt. Diese Instrumente mussten im Rathaus beziehungsweise in der Kirche bleiben. Für die extra honorierten Auftritte bei privaten Auftraggebern hatten die Musiker eigene Instrumente anzuschaffen.

In Trauerzeiten - im Jahr nach dem Tod eines Mitglieds der Herrscherfamilie - war die wirtschaftliche Lage der Stadtpfeifer problematisch, weil die meisten Anlässe für öffentliches Musizieren ausfielen. Zu genehmigten Ausnahmen durften dann nur getragene Stücke auf der "stillen Musik", den Streichinstrumenten, erklingen.

Bewerber um eine Stadtpfeiferstelle mussten ihre Fähigkeiten auf zahlreichen Instrumenten beweisen - 1743 in Zeitz auf Trompete, Altposaune, Zinken, Violine, Oboe und Waldhorn. Den Vorsitz der Prüfungskommission hatte häufig der Kantor der Hauptkirche. Hier ein Protokoll aus Leipzig: „Auff Euren Hochedlen und großherzigen Raths Verordnung hat der bißherige Stadtpfeifergeselle Carl Friedrich Pfaffe in Gegenwart derer andren Stadt Musicorum seine verlangte Probe abgelegt. Da sich denn befunden, daß er auf jedem Instrumente, so von denen Stadt Pfeiffern pfleget gebrauchet zu werden, als Violine, Hautbois, Flute Traverse, Posaune, Waldhorn und übrigen Bass Instrumenten, sich mit Beyfall aller Anwesenden gantz wohl habe hören laßen, und zu der gesuchten Adjunctur geschickt befunden worden. Leipzig d. 24. July 1745, Johann Sebastian Bach”

Bachs Kirchenorchester um 1730 bestand vor allem aus den Leipziger Stadtpfeifern: Zwei Trompeten, zwei Oboen, zwei Violinen und einem Fagott. Dazu kam bei Bedarf ein Kunstgeiger, der die dritte Trompete spielte. Alle übrigen Streichinstrumente wurden durch Schüler besetzt.

Im 18. Jahrhundert lösten Violine und Oboe den Zink als Hauptinstrument des Stadtpfeifers ab. An seinem Profil als Multiinstrumentalist änderte sich noch nichts. Eine typische Stellenausschreibung des 19. Jahrhunderts (Berlin): Es werde ein Bassist gesucht, "der auch Posaune oder Bombardon bläst, vielleicht etwas Cello noch spielt".  In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spezialisierten sich die verbliebenen Stadtpfeifer wieder stärker auf die Blechblasinstrumente und wurden dafür in den Orchestern geschätzt.

 

Der Beruf der Stadtpfeifer

Die Instrumente der Stadtpfeifer

Zünfte und Musikerausbildung

Stadtpfeifer in Dresden

"Der Stadtpfeifer zu Dresdenn Ordnung"

Historische Kostüme

 

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