Dresdner Stadtpfeifer

Alte Musik für neue Ohren

Der Beruf der Stadtpfeifer


Ende des 14. Jahrhunderts entstand der Beruf der Stadtpfeifer (in England: "waits", in Italien: "piffari" oder "suonatori di città", in Spanien: "ministriles"). Dieser neue Beruf bedeutete für die Musiker einen großen Fortschritt gegenüber den mittelalterlichen Spielleuten, die ohne festen Wohnsitz durchs Land zogen, als musikalische Tagelöhner ihren Unterhalt verdienten und ebenso wenig Rechte hatte wie andere "fahrende Leute", wie Gaukler, Schausteller, entlaufene Mönche und bettelnde Landstreicher.

Die Städte beauftragten ihre Stadtpfeifer anfangs vor allem mit dem Türmerdienst: Auf Zinken geblasene Signale zu den vollen Stunden, Feuerwache auf dem Turm und Alarmblasen oder -läuten. Zu festgelegten Stunden wurden Choräle und andere ruhige Stücke mehrstimmig vom Turm "abgeblasen". Das Turmblasen führte der Leipziger Stadtmusiker Johann Pezel 1670 in der Vorrede zu seiner Sammlung "Hora decima" auf türkische oder persische Ursprünge zurück, betonte aber, dass es längst ein christlicher Brauch geworden sei.

Zu den Aufgaben der Stadtpfeifer gehörte auch Musik zu festlichen Anlässen des Rates und der Kommune (Bürgermeisterwahlen, Rats-Schmäuse mit Tafelmusik, Ratsabschiede, Fürstenbesuche, Huldigungsmusiken, Wachaufzüge, aber auch Grenzbegehungen, Grundsteinlegungen, Richtfeiern, Wasser- oder Schlittenfahrten, Schützenfeste, schulische Feiern, sogar Galgenreparaturen und Hinrichtungen) und der Bürger (Innungsfeiern der Zünfte, Hochzeiten, Verlöbnisse, Kindstaufen, Begräbnisse...), Tanzmusik für die oberen Schichten der Bevölkerung, Begleitung der Kirchenmusik und gelegentliche Mitwirkung bei Theateraufführungen.

 

 

Die Stadtpfeifer von Görlitz, ca. 1596

 

Mit der Zeit gewannen die repräsentativen musikalischen Aufgaben immer mehr an Bedeutung: Stadtpfeifer wurden angestellt "umb der Musica willen und gemeiner Stadt zur Ziehr" (Dresden 1572). In der Barockzeit wurden Stadtpfeifer auch gelegentlich von den Hofkapellen angefordert, um bei Festen, Konzerten und Opern größere Besetzungen zu ermöglichen.

Das Jahresgehalt eines Stadtpfeifers in Leipzig um 1600 betrug 26 Gulden. Dafür konnte man vierzig Schweine kaufen - oder eine gute Posaune. Für viele Aufführungen wurden gesonderte Honorare gezahlt. Diese Einkünfte ergänzten die geringen Türmer-Gehälter oder die vertraglich gesicherten städtischen Mindesteinkommen und waren durch das Zunftrecht gegen fremde Musiker geschützt.  In kleineren Städten übten Stadtpfeifer oft gleichzeitig weitere Berufe aus, zum Beispiel als Lehrer, Organist, Instrumentenbauer oder gar in einem musikfremden Handwerk.

Im 17. Jahrhundert führte die Entwicklung einer eigenständigen Instrumentalmusik zu einer Blüte der Stadtpfeifereien. Vor allem Suiten erfreuten sich großer Beliebtheit. Sie wurden anfänglich in reiner Bläserbesetzung aufgeführt. Führende Komponisten waren Hans Leo Haßler, Johann Hermann Schein, Johann Christoph Demantius, Melchior Franck, Paul Peuerl, später Johann Rosenmüller und Johann Pezel. Der Schwerpunkt dieser Entwicklung lag in Sachsen. In der Kirchenmusik dienten die Instrumente nicht mehr nur zur Verstärkung schwacher Chorstimmen, sondern zur konzertierenden Orchesterbegleitung größerer Chorwerke.

Nach 1700 trennten sich Türmer- und Stadtpfeiferamt wieder, denn der wachsende Bedarf an Musik war nicht mehr mit dem Turmwächterdienst vereinbar.

 

Der Beruf der Stadtpfeifer

Die Instrumente der Stadtpfeifer

Zünfte und Musikerausbildung

Stadtpfeifer in Dresden

"Der Stadtpfeifer zu Dresdenn Ordnung"

Historische Kostüme

 

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